Presseartikel
Fahrradtaxi-Freiburg
17.07.2008
Badische Zeitung

Viel Verkehr in verkehrsfreier Zone
Kein Durchkommen in der Fußgängerzone: Das Fahrradtaxi stoppt die Vormittagstouren / Stadt nimmt sich des Themas an

Von unserem Redakteur Joachim Röderer
Eng, enger, Freiburg: Viele Nutzer müssen sich in den Altstadtstraßen den Platz teilen. Da ist dann oft kein Durchkommen mehr. Neulich blieb bei einer Probefahrt die Feuerwehr stecken. Jetzt hängt auch immer öfter das Freiburger Fahrradtaxi fest. ’Alles steht kreuz und quer’ , klagt Taxibetreiber Matthias Reinbold. Er stellt die Touren an den Vormittagen nun ein. Die Stadt will sich des Themas ’Verkehr in der Fußgängerzone’ annehmen, sagt Bürgermeister Otto Neideck.

Fußgänger, Radfahrer, Kneipen-Außenflächen, Liefer-Lastwagen, parkende Handwerkerautos — alle beanspruchen ihren Platz. Die einen klagen über die nach ihrer Meinung über alle Maßen gewachsenen Gastronomie-Außenflächen. Die Wirte hatten neulich ausdrücklich um die dann schnell beendete Feuerwehrprobefahrt gebeten — um zu beweisen, dass es die Rettungsfahrzeuge gar nicht bis zu den Kneipen schaffen, weil sie vorher schon an parkenden Autos nicht vorbeikommen.

Nun kritisiert auch Fahrradtaximann Reinbold das Freiburger Chaos: ’Die Situation hat sich in den vergangenen Monaten dramatisch verschlimmert’ , berichtet er. Er müsse Touren abbrechen — weil die Fahrgäste zu Fuß schneller sind. Als besonders kritische Zone hat Reinbold die untere Altstadt mit dem Bermuda-Dreieck um Universitäts-, Löwen- und Niemensstraße ausgemacht. Dort war neulich auch das rote Feuerwehrauto hängen geblieben.

Auch im Rathaus ist man auf das Problem aufmerksam geworden. Die Vorgaben für die Ausnahmeparkregelungen sollen überdacht werden. ’Wir müssen die Sicherheit und Attraktivität der Innenstadt gewährleisten’ , sagt Bürgermeister Otto Neideck.

Unterwegs mit Fahrzeugen in der Innenstadt sind Anlieferer und Handwerker. Die Lieferzeiten sind genau vorgeschrieben — die dauern in der Regel wochentags von 5.30 bis 10 Uhr und 19 bis 22 Uhr in den am stärksten von Fußgängern frequentierten Straßen und Gassen. In manchen Straßen darf aber auch von 5 bis 22 Uhr angeliefert werden.

Dann gibt es noch das sogenannte Handwerkerschild. Mit diesen hinter der Windschutzscheibe platzierten Plaketten dürfen Handwerksbetriebe in die Fußgängerzone fahren und dort das Firmenauto abstellen, wenn sie Reparaturarbeiten ausführen. Einsatzort und Arbeitsstelle müssen aber vermerkt werden. Rund 2000 Plaketten hat die Kreishandwerkerschaft ausgegeben, 700 die Industrie- und Handelskammer. Sie kosten für Innungsmitglieder 35 Euro im Jahr, plus einmalig 45 Euro für die Anschaffung der Plakette. Die Höchstparkdauer beträgt — eigentlich — 60 Minuten. In der Fußgängerzone geparkt werden darf auch nur, wenn ’keine andere Parkmöglichkeit in zumutbarer Entfernung’ vorhanden ist. Bei Renovierungsarbeiten, die länger als einen Tag dauern, müssen die Handwerker eine Sondergenehmigung bei der Stadt beantragen. Die Plaketten-Regelung sei für Handwerker wichtig, sagt Irmgard Sautter von der Kreishandwerkerschaft: ’Sonst würden am Ende die Aufträge für die Kunden teurer werden.’