Presseartikel
Fahrradtaxi-Freiburg
05.01.2004
Südkurier, Ausgabe Konstanz

Taxifahrer dürfen strampeln
Freiburger Unternehmen plant Velotaxi - Für Kurzstrecken gedacht

In drei Monaten sollen sie bereits durch Konstanzer Straßen rollen. Ein Freiburger Unternehmen will das Velotaxi in der Stadt einführen. Kunden können es vor allem für Kurzstrecken nutzen. Für die ersten 500 Meter müssen sie zwei Euro bezahlen, für jeden weiteren halben Kilometer einen Euro, so die Pläne von Geschäftsführer Matthias Reinbold. In Freiburg gilt das Velotaxi als Renner.

Konstanz - Der Fahrer muss kräftig strampeln. Das Velotaxi ist ein Fahrrad mit Kabine. Zwei Fahrgäste mit Handgepäck haben Platz. Bei größeren Koffern bleibt noch Raum für eine Person. Einen Taxistand wird es nicht geben. ’Wo man uns sieht, kann man einsteigen’, sagte Matthias Reinbold. Zehn bis 20 Personen will das Unternehmen auf Teilzeitbasis beschäftigen. Es seien ideale Studentenjobs, sagte Reinbold. Sein Unternehmen R&R Medi-Business GmbH hat das Angebot Ende Juni in Freiburg eingeführt. Es sorgte gleich für Schlagzeilen. Mit dem Geschäft in der Breisgaumetropole ist Reinbold zufrieden. Er will ab April die ersten Fahrzeuge in Konstanz fahren lassen. ’Ich sehe mehr Bedarf als in Freiburg.’ Die Konstanzer Gegebenheiten stimmen ihn optimistisch. Zum einen gibt es keine S-Bahn wie in Freiburg, zum anderen ist der Tourismus am See ausgeprägter. In Freiburg fahren vier Räder. Matthias Reinbold plant in Konstanz je nach Erfolg drei bis sechs Fahrzeuge. ’Sie finanzieren sich über Werbung’, berichtete er. Zurzeit sucht er in Konstanz Partner. Es gebe viele Interessenten, sagte der Geschäftsführer im Gespräch mit dem SÜDKURIER. In den kommenden Tagen möchte er die ersten Verträge unter Dach und Fach bringen. Rechtliche Probleme gibt es beim Velotaxi nicht. Es handle sich nicht um Taxigewerbe, erläuterte Reinbold. Lizenzen seien nicht nötig, man müsse lediglich ein Gewerbe anmelden. ’Wir brauchen auch keinen Personen-Beförderungsschein.’ Das Velotaxi sei kein Konkurrent zum Taxi. Nach seiner Erfahrung nutzen es in der Regel Kunden auf einer Entfernung von bis zu 1000 Metern. ’Es geht um Kurzstrecken vom Hafen zum Hotel oder mit der Einkaufstüte zum Bahnhof.’ Das Verhältnis zu den Taxifahrern in Freiburg sei gut. Mit der Stadt wird das Angebot abgestimmt. Der Unternehmer möchte eine Route durch die Fußgängerzone anbieten. Darüber werde noch verhandelt, sagte der städtische Sprecher Walter Rügert. Grundsätzlich begrüße die Stadt die Idee. ’Sie ist umweltpolitisch und für den Tourismus gut.’ Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon ist Schirmherr eines ’OB-Velos’. In Konstanz sei ein solches Velo ebenfalls denkbar, so Reinbold. Er hatte die Geschäftsidee, als er die Fahrzeuge auf einer Präsentation der Landesgartenschau in Kehl sah. Ein Velotaxi habe es zuvor in Baden-Württemberg nicht gegeben.

Josef Siebler